Tatort Sprache

Tatort Sprache - eine Auseinandersetzung frauenfeindlicher Texte in Musik

TATORT SPRACHE

Die noch nicht fertiggestellten Arbeiten sind Teil einer 20-teiligen Werkserie, die sich mit der Normalisierung von Gewalt gegen Frauen in Bild- und Sprachkulturen auseinandersetzt. Ausgangspunkt sind originale Seiten aus Männermagazinen, deren Bildwelten Frauenkörper normieren, sexualisieren und als verfügbar markieren. Diese Bilder sind keine Randphänomene, sondern seit Jahrzehnten fest verankert in medialen und gesellschaftlichen Sehgewohnheiten.

Über diese Bildflächen lege ich Fragmente real existierender Songtexte aus populären Musikgenres. Es handelt sich um Texte, in denen Frauen verbal entmenschlicht, bedroht oder auf sexuelle Gewalt reduziert werden. Die Textauszüge werden bewusst nicht verfremdet oder ironisiert. Ihre Härte liegt nicht in der Überzeichnung, sondern in ihrer Vertrautheit – darin, dass sie gesellschaftlich akzeptiert, mitgesungen, relativiert oder als Unterhaltung entschärft werden.

Formal arbeite ich mit Materialien wie Glasscherben, Fesseln, roter Farbe (stellt Blut dar) und transparenten Substanzen (stellt Sperma dar). Diese Materialien fungieren nicht als Effekte, sondern als Zeichen: für Verletzung, Bruch, Übergriff und Nachwirkung. Sie verweisen auf Körperlichkeit, auf Spuren von Gewalt und auf das, was nach ihr bleibt. Die Arbeiten zeigen keine Gewalt im narrativen Sinn, sondern machen sichtbar, dass Gewalt bereits in Sprache und Blick beginnt.

Die Serie versteht sich als Anklage gegen eine Kultur, in der Frauenfeindlichkeit, sexuelle Grenzüberschreitung und verbale Aggression normalisiert und entpolitisiert werden. Mich interessiert dabei besonders das Zusammenspiel von Bild und Sprache: Wo Bilder verführen und beschönigen, entlarvt die Sprache ihre Gewalt. Wo Texte oft überhört werden, zwingt ihre visuelle Präsenz zur Auseinandersetzung.

Die Arbeiten fordern keine Distanz, sondern Konfrontation. Sie richten sich nicht an ein individuelles Fehlverhalten, sondern an strukturelle Mechanismen: an Medien, an Konsum, an kulturelle Routinen des Wegsehens. Lesen wird hier zur Handlung, Sehen zur Verantwortung.

Meine künstlerische Position ist eindeutig: Diese Arbeiten reproduzieren keine Gewalt – sie machen sie sichtbar. Sie fragen danach, wie viel Hass, Verachtung und Übergriffs Fantasie eine Gesellschaft akzeptiert, solange sie ästhetisch verpackt, ironisch gebrochen oder musikalisch begleitet ist.

Copyright der verwendeten Fotografien liegt bei den jeweiligen Fotograf:innen sowie den entsprechenden Rechteinhaber:innen. Alle Inhalte dienen ausschließlich der künstlerischen Präsentation. Bildrechte: © Fotograf/in / Playboy Magazine. Alle Rechte vorbehalten.

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